OZ-Beitrag „Rostocker entwickelt Diesel-Alternative“

Sascha Prehn von der Universität Rostock hat für die Firma Deutz einen Erdgasmotor für Traktoren entwickelt. Er enstand auf der Basis eines herkömmlichen Dieselmotors. Quelle: Foto: Gerald Kleine Wördemann

Südstadt. Der Dieselmotor hat derzeit keinen guten Stand. Weil er die Luft mit Stickoxiden verpestet, prüfen manche Städte Fahrverbote für bestimmte Dieselautos. Sogar der ADAC rät inzwischen vom Kauf eines Diesels ab. Als ausgesprochen sauber und genauso sparsam gilt dagegen der Erdgasmotor.

Warum nicht das beste aus beiden Welten miteinander kombinieren? Genau das hat Sascha Prehn (32) von der Universität Rostock gemacht. In Zusammenarbeit mit dem Motorhersteller Deutz baute er einen Dieselmotor so um, dass er jetzt mit Erdgas läuft. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte das Projekt. Mittlerweile spulte der Motor die ersten 500 Betriebsstunden ohne Probleme ab. Eingebaut ist er in einem Traktor in Schleswig-Holstein. „Alle Werte waren vergleichbar wie im Dieselbetrieb“, sagt Prehn. Selbst das hohe Drehmoment des starken Diesels, wichtig für einen Ackerschlepper, der nicht schnell, dafür aber stark sein muss, erreichte die Erdgasvariante. An dem Forschungsprojekt war neben der Uni Rostock und Deutz auch das Thünen-Institut für Ökologischen Landbau beteiligt. Seit fünf Jahren arbeitet Sascha Prehn an dem Motortyp. Ein Exemplar ist auf einem Prüfstand in der Fakultät für Maschinenbau aufgebaut. Der massige, schwarze Klotz ist unter einem Wirrwarr aus Messkabeln, Kühlwasserschläuchen und Abgasrohren kaum noch zu erkennen. Erdgas hat viele Vorteile, schildert Prehn, der gerade seine Doktorarbeit über „seine“ Maschine schreibt. Statt drei Systemen zur Abgasreinigung wie beim Diesel, was ihn zu einer rollenden Chemiefabrik macht, kommt der Erdgasmotor mit nur einem Drei-Wege-Katalysator aus.

Trotz der Vorteile bezweifelt Prehn, dass der Erdgasmotor den Diesel bald vollständig ablösen wird. „Ein Vertriebsmitarbeiter, der viel unterwegs ist, wird auch weiter Diesel fahren“, ist der Rostocker überzeugt. Auch in der Landwirtschaft werden Mähdrescher, die in der Erntezeit zwölf Stunden und länger im Einsatz sind, wahrscheinlich noch lange auf den altbewährten Kraftstoff mit hoher Energiedichte setzen. Mit Erdgas müssten sie häufiger nachtanken. Beim Traktor sei das anders, so Sascha Prehn. „Der wird an einem Tag für zwei oder drei Stunden genutzt und bleibt am nächsten Tag stehen.“Ein weiteres Problem sind fehlende Tankstellen für Erdgas. Die Mineralölfirmen, Betreiber des Tankstellennetzes, müssen Erdgas zukaufen. Das ist wirtschaftlich derzeit nicht attraktiv.

Prehn ist überzeugt: „In Zukunft werden mehrere Antriebsarten nebeneinander bestehen.“ Ob Diesel, Benzin, Erdgas oder Strom die Räder rollen lässt, entscheidet der Einsatzzweck.Obwohl der Rostocker Motortüftler davon ausgeht, dass Erdgas vorerst eine Nische bleiben wird, wertet er das Traktor-Projekt als Erfolg. „Ziel war zu zeigen, dass das Ding praxistauglich ist.“ Deutz will weiter an dem Thema arbeiten. Die technischen Grundlagen lieferte das Rostocker Projekt. Künftig sollen Traktoren mit Biomethan betrieben werden, das manche Landwirtschaftsbetriebe selbst herstellen.

Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren

Sascha Prehn betreut am Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren den Prüfstand für Pkw-Motoren sowie den Prüfstand für Gas- und Industriemotoren. Am Prüfstand Pkw werden die Einflüsse alkoholhaltiger Otto-Kraftstoffe auf das Schmieröl untersucht. Am zweiten Prüfstand werden Brennverfahren für Gasmotoren im landwirtschaftlichen Einsatz entwickelt und analysiert.

Quelle: "Ostsee-Zeitung/Gerald Kleine Wördemann“ den Beitrag „Rostocker entwickelt Diesel-Alternative“, erschienen in der Ostsee-Zeitung am 15./16. Juli 2017, Seite 12


Zurück zu allen Meldungen